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Glechner: Wochenkommentar: Aktienkurse in Griechenland brechen ein

Die Aktienkurse sind in den letzten Tagen mehrheitlich gesunken. Vor allem unerwartet schwache Konjunkturdaten aus der Volksrepublik China (Importe, Exporte) und Japan (BIP-Veränderung), niedrigere Ölpreise – der Preis der Sorte Brent erreichte mit USD 63,6/Fass das geringste Niveau seit Juli 2009 – und die Vorziehung der Präsidentenwahl in Griechenland lasteten auf den Kursen. Letztere sorgte beim griechischen ASE Index im Wochenverlauf für einen Rückgang um mehr als 10%. Die Rendite der 10-jährigen griechischen Staatsanleihen stieg seit Donnerstag um 100 Basispunkte auf 8,62%. Die erste Abstimmung über einen neuen Präsidenten durch das griechische Parlament wird nun bereits am 17. Dezember und nicht erst am 15. Februar erfolgen. In der ersten und zweiten Wahlrunde (voraussichtlich am 23. Dezember) benötigt ein Kandidat die Stimmen von 200 der 300 Abgeordneten. In der dritten Runde (voraussichtlich am 29. Dezember) reichen bereits die Stimmen von 180 Abgeordneten. Die Regierungskoalition mit 155 Abgeordneten ist somit auf die Stimmen weiterer Parlamentarier angewiesen. Wird die erforderliche Zahl auch in der dritten Abstimmung nicht erreicht, muss das griechische Parlament selbst Anfang des nächsten Jahres neu gewählt werden. Falls es dazu käme, dürfte jedoch gemäß aktuellen Umfragen die reformfeindliche Syriza als Sieger hervorgehen. Mit dem ersten Versuch, einen neuen Präsidenten zu wählen, wird Griechenland auch in den nächsten Tagen das Marktgeschehen beeinflussen, wenn auch kaum damit zu rechnen ist, dass vor dem dritten Wahlgang die nötige Zahl an Stimmen für den bis dato einzigen Kandidaten erreicht werden kann. Das Hauptereignis bildet in den nächsten Tagen jedoch das Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am 16./17. Dezember. Nach der mittlerweile erfolgten Beendigung des Wertpapierkaufprogramms wird vor allem interessant, ob im schriftlichen Statement zum Zinsentscheid einzelne Passagen (Aussagen zum Arbeitsmarkt etc.) verändert wurden. Erstmals seit September steht auch wieder eine Pressekonferenz der Fed-Präsidentin, Janet Yellen, im Anschluss an das FOMC-Treffen an. Interessant werden auch die neuen ökonomischen Projektionen der Fed. Bei den Aktienkursen erwarten wir mit vereinzelten Impulsen von Seiten der veröffentlichten Konjunkturdaten, die nun wieder in größerer Zahl anstehen, einen leichten Anstieg.

Die Schweizerische Nationalbank beließ heute das Zielband für den Dreimonats-Libor bei 0% bis 0,25%. Außerdem hat sie neuerlich betont, keinen Kurs des Franken stärker als CHF 1,20 je EUR zu tolerieren. Die Deflationsrisiken hätten weiter zugenommen und der Franken bleibe nach wie vor hoch bewertet. Bei einem Dreimonats-Libor von Null sei der Mindestkurs das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern. Bei Bedarf werde sie unverzüglich weitere Maßnahmen ergreifen. Ihre Inflationserwartung hat die SNB weiter nach unten verschoben (2014: 0,0% (September-Erwartung: 0,1%), 2015: -0,1% (0,2%), 2016: 0,3% (0,5%)). Beim Bruttoinlandsprodukt der Schweiz erwartet sie für 2014 ein Wachstum von 1,5% bis 2%. Für das kommende Jahr rechnet die SNB mit einem BIP-Wachstum von rund 2%.

Auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage im November deutlich verbessert. Außerhalb der Landwirtschaft wurden 321.000 neue Stellen geschaffen, was dem höchsten Zuwachs seit Januar 2012 entsprach. Außerdem hat das Arbeitsministerium die Zahlen für September und Oktober auf 271.000 (zuvor 256.000) bzw. 243.000 (zuvor 214.000) nach oben revidiert. Die weniger bedeutende und auf einer Befragung von Haushalten basierende Arbeitslosenrate belief sich im November auf 5,8% (Oktober: 5,8%). Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten aus Deutschland fielen uneinheitlich aus. Die Auftragseingänge stiegen im Oktober im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um beachtliche 2,5% (September: 1,1%). Im Vergleich zum Oktober des Vorjahres war ein Anstieg um 2,4% (September: -0,7%) zu beobachten. Die Industrieproduktion wuchs im Oktober jedoch nur um 0,2% M/M (September: 1,1%) bzw. 0,8% J/J (September: 0,1%).