ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Anleger sind vorsichtig und nehmen Gewinne mit
Nach den jüngsten Rekorden haben
Europas Börsen am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt. "Die
Marktteilnehmer sehen sich erneut mit erhöhter Volatilität an den
Edelmetallmärkten und eher schwachen Unternehmenszahlen
konfrontiert", sagte Marktexperte Andreas Lipkow. "Somit nehmen die
Investoren lieber Gewinne mit und positionieren sich an der
Seitenlinie."
Consorsbank-Analyst Jochen Stanzl erklärte, dass unter anderem mit
der neuerlichen Talfahrt des Silberpreises die Angst vor
Anschlussverkäufen in anderen Anlageklassen rasch wach werde.
Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of
England bewegten kaum, da beide ihren Leitzins wie erwartet nicht
veränderten. Allerdings fiel in London die Entscheidung denkbar
knapp aus.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 , der am Dienstag
eine neue Bestmarke erklommen hatte, beendete den Tag 0,75 Prozent
tiefer auf 5.925,70 Zähler. Außerhalb der Eurozone sank der
britische Leitindex FTSE 100 um 0,90 Prozent auf
10.309,22 Punkte. Der Schweizer SMI gab um 0,31
Prozent auf 13.466,04 Punkte nach. Beide hatten tags zuvor
Rekordhöhen erreicht.
Mit Blick auf die Quartalsberichte überwogen die Enttäuschungen.
Auffallendstes Beispiel waren Volvo Cars , dessen
Aktie um 22,5 Prozent abstürzte. Im vierten Quartal waren Umsatz und
operatives Ergebnis stark gesunken und verfehlten die
Analystenschätzungen deutlich.
Im schwächelnden Telekommunikationssektor gaben
Vodafone den Takt vor. Der britische
Telekommunikationskonzern hatte im dritten Geschäftsquartal Umsatz
und operativen Gewinn zwar gesteigert, Experten hatten sich aber
mehr erhofft. Die Aktie büßte 4,7 Prozent ein.
Im Bankensektor gab es Licht und Schatten. Während BBVA
am EuroStoxx-Ende um 8,8 Prozent absackten, legten
BNP Paribas am oberen Ende des Kurszettels um 1,2
Prozent zu. Die französische Großbank hatte das Jahr 2025 mit einem
überraschend guten Quartal abgeschlossen und zudem die Ziele für die
kommenden Jahre angehoben.
Die spanische Großbank BBVA verdiente dagegen zwar im vergangenen
Jahr dank guter Geschäfte im Heimatmarkt operativ deutlich mehr
verdient, doch der Ausblick hielt nicht Schritt. Hier deute sich
Korrekturbedarf für die Konsensschätzungen an, hieß es von JPMorgan.
Novo Nordisk büßten in Kopenhagen knapp 8 Prozent
ein. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass das
US-Telemedizinunternehmen Hims and Hers eine
Nachahmer-Kopie der Abnehmpille Wegovy des dänischen
Diabetesspezialisten für einen Einführungspreis von 49 US-Dollar im
Monat auf den Markt bringen wolle. Danach sollen Patienten mit einem
Fünf-Monats-Bestellplan 99 Dollar monatlich zahlen, was rund 100
Dollar weniger wäre als das was Novo laut Reuters verlangt.
Mit einem Abschlag von knapp 9 Prozent ging es für die Anteile von
Vestas abwärts. Zwar hätten die ausgelieferten Mengen
des Herstellers von Windkraftanlagen im vierten Quartal die
Konsensschätzung übertroffen, Umsatz und bereinigtes operatives
Ergebnis hätten jedoch enttäuscht, kommentierte das Analysehaus
Jefferies.
Für AP Moller-Maersk ging es um 3,7 Prozent abwärts.
Die schrittweise Wiederöffnung der Transportwege durch das Rote Meer
dürfte 2026 für einen Gewinnrückgang der Reederei sorgen. Grund
dafür sind fallende Frachtraten, wenn der kürzere Transportweg durch
das Rote Meer wieder regelmäßig befahren werden sollte./ck/jha/