ROUNDUP: Stellantis schockt mit Riesenabschreibung für US-Elektroauto-Kehrtwende
Der Autokonzern Stellantis
Um die Mittagszeit verlor das Papier in Paris zuletzt ein Viertel seines Wertes und markierte ein Rekordtief. Bereits am Vortag hatte der Kurs fast sechs Prozent eingebüßt. Auf Sicht von einem Jahr hat die Aktie über 60 Prozent an Wert verloren. Jefferies-Analyst Philippe Houchois sprach in einer ersten Reaktion von rekordhohen Belastungen bei Stellantis. Die große Aufräumaktion belaste die Aktie, könnte sich aber als das klärende Ereignis erweisen, auf das er gewartet habe, schrieb UBS-Analyst Patrick Hummel.
Den Nettoverlust im zweiten Halbjahr bezifferte der Konzern auf voraussichtlich 19 bis 21 Milliarden Euro. Auch das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis lag wohl mit bis zu 1,5 Milliarden Euro in den Miesen. Im Industriegeschäft - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - flossen bis zu 1,6 Milliarden Euro aus den eigenen Kassen ab (Free Cashflow).
Für die Kehrtwende werden über die kommenden Jahre auch Auszahlungen von Finanzmitteln in Höhe von 6,5 Milliarden Euro bei Stellantis fällig - dieses Jahr will das Management daher keine Dividende an die Aktionäre ausschütten. Zudem will sich das Unternehmen frisches Geld in Höhe von bis zu 5 Milliarden Euro über die Ausgabe neuer Anleihen besorgen, um die Bilanz zu stärken.
Die Neuordnung der Strategie kommt für den Vielmarkenkonzern (unter
anderem Fiat, Chrysler, Peugeot, Jeep, Alfa Romeo, Opel) mit seinem
starken US-Standbein nicht unerwartet - die großen US-Rivalen Ford
Stellantis trifft es allerdings in einer kritischen Phase: Der Konzern war in den USA in einen Strudel aus schwachen Verkäufen und sinkenden Preisen geraten und musste teuer gegensteuern, Ex-Chef Carlos Tavares verlor darüber seinen Job. In Nordamerika hat das Unternehmen in aller Regel den Löwenanteil seines Gewinns erzielt.
Der neue Chef Antonio Filosa sieht erste Anzeichen der Besserung: Im zweiten Halbjahr 2025 seien die Verkäufe im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 2,8 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Umsatz und der freie Mittelzufluss hätten wie angestrebt über den Werten aus dem ersten Halbjahr gelegen. Auch die berichteten Qualitätsprobleme bei den Autos seien in Nordamerika und Europa gesunken. Gleichwohl sei die operative Marge wegen Sonderproblemen schwächer ausgefallen als mit dem niedrigen einstelligen Prozentsatz im zweiten Halbjahr angestrebt.
2026 sollen die wesentlichen Kennzahlen ansteigen, der Umsatz um einen mittleren einstelligen Prozentsatz. Bei der bereinigten operativen Marge peilt Filosa inklusive geschätzten Zollbelastungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro einen niedrigen einstelligen Prozentsatz an. Der Free Cashflow soll sich bessern.
Als Teil des Kehrtschwungs in der Elektroautostrategie trennt sich Stellantis auch von Anteilen an NextStar Energy, einem gemeinsamen Batterieprojekt mit dem südkoreanischen Elektronikkonzern LG Electronics. Stellantis gibt seinen 49-Prozent-Anteil an LG ab. Noch 2022 hatte Stellantis in Aussicht gestellt, zusammen mit LG mehr als 5 Milliarden kanadische Dollar (3,1 Mrd Euro) in eine Batteriefabrik in Windsor im kanadischen Bundesstaat Ontario stecken zu wollen.
Die vollständigen Jahreszahlen 2025 legt Stellantis am 26. Februar vor. Am 21. Mai will Filosa seine runderneuerte Strategie den Investoren vorstellen.
Bereits in Aussicht gestellt hatte Filosa Investitionen in den kommenden vier Jahren von 13 Milliarden Dollar, um das Wachstum auf dem US-Markt anzukurbeln. Mehr als 5.000 Jobs sollen geschaffen werden, fünf komplett neue Fahrzeuge sollen auf den Markt kommen./men/lew/stk
ISIN NL00150001Q9
AXC0134 2026-02-06/13:01
Relevante Links: Stellantis N.V., General Motors Company, Ford Motor Company