Dow knackt magische Marke von 50.000 Punkten
Der Dow Jones Industrial
Aus marktpsychologischer Sicht könnte allein schon die Tatsache, dass der Dow den magischen Wert von 50.000 Punkten geknackt hat, erst einmal für weiter steigende Kurse sorgen - ungeachtet der fundamentalen Wirtschaftsdaten. "Runde Marken wirken, weil Menschen in Mustern denken und unser Gehirn Abkürzungen liebt", erklärte Roland Schmack von der Vermögensverwaltung Meine Werte in Münster.
Der Mechanismus dabei: Das Gehirn kann dem Experten zufolge glatte Zahlen besser verarbeiten und speichern. Markante Schwellenwerte dienen demzufolge als mentale Anker, vereinfachen komplexe Zahlen und werden zu natürlichen Orientierungsmarken. Schmack fuhr fort: "Die Magie ist hausgemacht. Da Millionen von Anlegern gleichzeitig auf dieselbe Marke starren, setzen sie dort bevorzugt ihre Limit-Orders, Stopp-Kurse und Gewinnmitnahmen." Die Schwelle von 50.000 Punkten gelte als besonders "magisch", weil sie psychologisch genau in der Mitte zwischen zwei großen Zehnerpotenzen liege, leicht kommunizierbar sei und sich dadurch kollektiv im Markt verfestige.
Experten sehen gleichwohl auch einige handfeste Argumente, die für weitere Gewinne an den US-Börsen sprechen. Zweifellos stehe der US-Aktienmarkt derzeit vor einigen Herausforderungen, schrieb etwa Stefan Braun, Globaler Leiter Systematische Strategien bei dem Vermögensverwalter Oddo BHF. Der Experte verwies unter anderem auf geopolitische Spannungen, sich verändernde Handelsdynamiken und Anzeichen eines sich abkühlenden Arbeitsmarktes. Doch trotz dieser Herausforderungen zeige sich die US-Wirtschaft im weltweiten Vergleich weiterhin beeindruckend widerstands- und anpassungsfähig.
Für eine Abkehr von US-Aktien wäre es daher verfrüht, fuhr Braun fort und ergänzte: "Die amerikanische Wirtschaft wird weiterhin getragen von einem großen, diversifizierten Binnenmarkt und einem starken Dienstleistungssektor." Die Politik trage mit den jüngsten fiskalpolitischen Maßnahmen und gezielter Deregulierung dazu bei, externe Belastungen abzufedern. Zudem "dürfte die lockere Geldpolitik der US-Notenbank nach unserer Einschätzung noch für einige Zeit ein vorteilhaftes Umfeld für Liquidität und Bewertungen schaffen", ergänzte der Experte.
Skeptischer äußerte sich Nelson Yu, Leiter Aktien beim Research- und Investment-Management-Unternehmen AllianceBernstein. Er sieht den US-Aktienmarkt mit Gegenwind unter anderem durch hohe Bewertungen konfrontiert. "Trotz der Underperformance gegenüber den Nicht-US-Märkten im vergangenen Jahr bleiben US-Aktien im globalen Vergleich teuer", mahnte der Experte.
Dies könnte Yu zufolge erklären, warum die Berichtssaison zuletzt zunehmend erratisch verlaufen sei. Historisch gesehen seien positive Gewinnüberraschungen bei US-Unternehmen in der Regel mit einer Outperformance der Aktien honoriert worden. Im vergangenen Jahr blieb dieser Effekt laut dem Experten jedoch aus: "Selbst Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, wurden nicht belohnt, während Aktien von US-Unternehmen, die die Prognosen verfehlten, deutlich stärker abgestraft wurden."/la/tih/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
ISIN US2605661048 US78378X1072
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