WOCHENAUSBLICK: Dax-Rekord nach Nahost-Eskalation erst mal kein Thema mehr
Zum Auftakt des Börsenmonats März dürfte die
Eskalation im Nahen Osten die Stimmung an den Aktienmärkten
belasten. Nach einem leichten Plus in den ersten zwei Monaten des
Jahres wird der Dax am
Das Rekordhoch von 25.507 Punkten, das vergangene Woche noch in Reichweite war, dürfte damit erst mal aus dem Blick geraten. Vor dem Wochenende hatten noch einige Analysten wie die Experten von Index-Radar damit gerechnet, dass Anfang März erneut Bestmarken folgen könnten. Sie hielten in der Folge im März, der zudem als guter Börsenmontag gilt, sogar einen weiteren Vorstoß in Richtung 26.000 Punkte für möglich.
Voraussetzung dafür wäre aber gewesen, dass geopolitische Störfaktoren ausbleiben. Doch mit der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen am Wochenende ist genau ein solcher dazugekommen. Die iranischen Revolutionsgarden haben mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und einen Rüstungskomplex in Tel Aviv reagiert.
Größte direkte wirtschaftliche Folge dürfte ein steigender Ölpreis sein. Wegen der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran könnten in nächster Zeit Liefermengen aus der ölreichen Islamischen Republik wegfallen. Ein weitaus wichtigerer Faktor für das Risiko steigender Ölpreise ist jedoch die Lage an der Straße von Hormus.
Durch diese Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman wird täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte verschifft. Nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur haben Irans Revolutionsgarden den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Beginn der Angriffe auf den Iran eingeschränkt. Nach staatlichen Angaben aus dem Oman wurde im Bereich der Meeresenge ein Öltanker angegriffen.
Acht Ölförderländer haben deswegen am Wochenende reagiert und wollen ihre Produktionsmengen ab April deutlich stärker anheben als von Analysten und Experten ursprünglich erwartet. Insgesamt wird die Tagesproduktion um 206.000 Barrel (je 159 Liter) gesteigert, wie die Kerngruppe des Ölkartells Opec+ am Sonntagmittag nach einer Online-Sitzung mitteilte.
Die Gruppe, die von Saudi-Arabien und Russland angeführt wird, erwähnte den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten erklärt. Die Staaten der Opec+ könnten zwar Ausfälle aus dem Iran ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen, warnten die Analysten der Commerzbank kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation.
Baader-Bank-Experte Robert Halver hatte Ende vergangener Woche je nach Nachrichtenlage weitere Kursschwankungen wegen Zinsfantasie, Geopolitik und Zöllen für möglich. Er glaubt aber, dass kurze ruckartige Kursrücksetzer längerfristig günstige Einstiegsgelegenheiten schaffen. Von besonderer Bedeutung dürfte nach unten die Marke von 25.000 Punkten bleiben, die in der zweiten Februar-Hälfte Unterstützung gab.
"Trotz der aktuellen Risiken - Zoll-Chaos, Iran, KI-Ängste - zeigen sich die Aktienmärkte weltweit widerstandsfähig", schrieb Baader-Bank-Fachmann Halver. Diese Themen hinterließen zwar ihre Spuren in der Anleger-Psyche und am US-Aktienmarkt übernähmen die Pessimisten allmählich die Überhand, doch genau dies spreche gegen deutliches Korrekturpotenzial.
Halver beobachtete zuletzt, dass europäische Aktien im globalen
Umfeld durch einen Sinneswandel wiederentdeckt werden. "Die
langanhaltende KI-Euphorie ist zwischenzeitlich Ernüchterung
gewichen", schrieb er. KI-Fantasie hatten in den vergangenen Jahren
vor allem die US-Börsen zu bieten, doch nun wirke Europas
"Tech-Abstinenz wie eine willkommene Sorgenpause". Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck blieb zuletzt auf globaler Ebene für Aktien positiv gestimmt, nicht zuletzt weil der Konjunkturtrend aufwärts gerichtet bleibe. In diesem Punkt erwartet er in der kommenden Woche viele neue Eindrücke, vor allem vom nächsten US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag erwartet wird. Davor aber könnten Einkaufsmanagerindizes des Instituts ISM am Montag und Mittwoch relevant werden.
"Beim Arbeitsmarktbericht wird für die US-Notenbank Fed wichtig sein, ob sich der gute Trend vom Januar im Februar bestätigt", erwähnte Greil. Für Anleger wäre dies dann relevant, weil es die Zinssenkungsfantasien weiter dämpfen würde. Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet im Februar in den USA mit nur 60.000 neuen Stellen nach 130.000 im Januar. Der anhaltend schwache Stellenzuwachs spreche im Jahresverlauf für drei Zinsschritte der Fed. Am Markt als eingepreist gelten aber nur zwei.
In Deutschland könnten im Wochenverlauf noch weitere Impulse von der
Berichtssaison ausgehen, die mit einer Vielzahl von Dax-Werten
weitergeht. Genannt seien dabei Beiersdorf
Am Donnerstag werden dann außerdem noch Zahlen von Merck
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---
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AXC0114 2026-03-01/17:24
Relevante Links: Deutsche Post AG, adidas AG, Bayer AG, Symrise AG, Continental AG, Broadcom Inc., Deutsche Lufthansa AG, Merck KGaA, Beiersdorf AG, NVIDIA Corporation