, dpa-AFX

Aktien Frankfurt: Verluste - Kriegsdiplomatie reicht nicht, Nebenwerte schwach

Nach der jüngsten Stabilisierung ist es am Donnerstag am Aktienmarkt wieder abwärts gegangen. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent, der am Mittwochmorgen noch unter 100 Dollar gerutscht war, liegt mit aktuell gut 107 Dollar wieder deutlich über dieser Marke. Während des Iran-Kriegs ist er der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.

Entsprechend legte der Dax wieder den Rückwärtsgang ein. Der deutsche Leitindex lag am Nachmittag mit 1,5 Prozent im Minus bei 22.615 Punkten. Er blieb damit aber in der Spanne vom Montag, als er im Tagesverlauf bei widersprüchlicher Nachrichtenlage um spektakuläre 1.300 Punkte schwankte. Zunächst hatte er mit 21.863 Punkten das bisherige Kriegstief erreicht, bevor er sich zeitweise sprunghaft auf 23.178 Punkte erholte.

Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten lag am Donnerstagnachmittag 1,6 Prozent im Minus bei 28.347 Punkten und der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx büßte anderthalb Prozent ein.

Aktuell pendelt der Nahost-Krieg weiter zwischen Drohkulisse und Diplomatie - bei widersprüchlichen Aussagen. Glaubt man dem US-Präsidenten Trump, dann 'fleht' der Iran um einen Deal. So schrieb er es am Donnerstag auf seiner Platform Truth Social, und widersprach damit Aussagen aus dem Iran, wonach es keine laufenden Verhandlungen mit Washington über ein Kriegsende gebe. Pakistans Außenminister Ishaq Dar bestätigte jedoch, dass sein Land zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln versuche.

"Ohne greifbare Ergebnisse schenken die Börsianer der Diplomatie keinen Glauben", kommentierte Stephan Innes von SPI Asset Management. Die Energiekosten seien nicht mehr bloß eine Gefahr, sie kämen in der Wirtschaft inzwischen immer stärker belastend an. Auch die Verbraucherstimmung leidet, wie aktuelle Prognosen der Konsumforschungsinstitute GfK und NIM zeigen.

Laut Jack Janasiewicz, Portfoliomanager und Stratege bei Natixis Investment Managers, wird der Handlungsspielraum der Notenbanken in der Geldpolitik immer enger. Der Markt habe schnell reagiert und inzwischen bis Ende 2026 fast drei Zinserhöhungen durch die EZB eingepreist.

Angesichts der Konjunktursorgen gerieten vor allem die zuletzt stark erholten Rohstoffwerte wieder unter Druck. Der Stoxx Europe 600 Basic Resources war mit fast 19 Prozent Minus in den vier Wochen Iran-Krieg zwischenzeitlich besonders stark unter die Räder gekommen, nachdem er kurz zuvor noch einen Rekord erreicht hatte.

Hinzu kam, dass Worthington Steel in den USA nach Börsenschluss mit Geschäftszahlen enttäuschte. Am deutschen Markt fielen nun Aurubis , Salzgitter und Thyssenkrupp mit Schwäche auf.

Größter Verlierer im Dax waren die zuletzt deutlich erholten Siemens Energy mit bis zu 4,5 Prozent Abschlag. Deutz verloren im MDax nach Geschäftszahlen zeitweise fast 9,5 Prozent. Börsianern schmeckte das Profitabilitätsziel des Motorenbauers für 2026 nicht. Ähnlich erging es Kontron mit einem Abschlag von bis zu 16,5 Prozent. Der Spezialist für Produkte rund um das sogenannte Internet-der-Dinge (IoT) enttäuschte die Anleger mit seinem Gewinnziel für 2026. Auch KSB und Medios verloren zweistellig.

Gewinner waren rar gesät. Besonders deutlich ging es für Eckert & Ziegler und SMA Solar nach Zahlen empor. Der Solarzulieferer erreichte mit fast 8 Prozent Plus sogar einen Höchststand seit Sommer 2024./ag/stk

 ISIN  DE0008469008  EU0009658145  DE0008467416

AXC0309 2026-03-26/14:13

Relevante Links: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, Medios AG, Kontron AG, Deutz AG, SMA Solar Technology AG, ThyssenKrupp AG, Siemens Energy AG, KSB SE & Co. KGaA, Aurubis AG

Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet.