Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben es
nach dem verhaltenen Wochenauftakt auch am Dienstag relativ ruhig
angehen lassen. Mangelnde Fortschritte in den Verhandlungen zwischen
dem Iran und den Vereinigten Staaten um eine Öffnung der für den
globalen Öltransport wichtigen Meeresstraße von Hormus sowie
steigende Ölpreise halten die Kauflaune in Grenzen.
Der Dax notierte zuletzt 0,2 Prozent höher bei 24.124
Punkten und stieg damit knapp über die 200-Tage-Linie für den
längerfristigen Trend, die er tags zuvor unterschritten hatte. Der
MDax gewann 0,1 Prozent auf 30.402 Zähler. Für den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,3
Prozent aufwärts.
Angesichts weiterhin hoher Ölpreise halten die aktuellen Konjunktur-
und Inflationssorgen an. Insofern sind die Zinsentscheidungen in
Japan, Europa und den USA in dieser Woche von besonderem Interesse.
In Japan blieb der Leitzins unverändert, wie die Bank of Japan am
Dienstag mitteilte. Am Mittwoch folgt die US-Notenbank (Fed). Für
Donnerstag stehen die Sitzungen der EZB und der Bank of England auf
der Agenda. "Suchen dürften die Anleger nach Hinweisen, ob die
bislang abwartende Haltung vieler Notenbanken beibehalten wird oder
ob Zinserhöhungen für eine der nächsten Sitzungen signalisiert
werden", schrieb Commerzbank-Experte Alexander Krämer.
Eine Senkung der Jahresziele von Qiagen setzte die
Papiere des Labordienstleisters und Diagnostikanbieters mit minus
5,5 Prozent massiv unter Druck. 2026 haben sie damit schon gut 20
Prozent verloren. Ein Händler warnte am Morgen vor weiteren
Verlusten trotz des bereits niedrigen Kursniveaus, da das Wachstum
nahezu vollständig abhandengekommen sei. Im ersten Quartal war der
Umsatz um ein Prozent gesunken.
Die Aktien von Bayer reagierten mit einem
Kursrückgang von 2,8 Prozent auf eine Anhörung vor dem obersten
US-Gericht im Verfahren um milliardenschwere
US-Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten. Damit zehrten sie ihr mageres
Kursplus im bisherigen Jahresverlauf nahezu komplett auf. Eine
Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall "Durnell" wird für
Ende Juni 2026 erwartet. Bayer macht sich Hoffnung, dass ein
positives Grundsatzurteil dabei helfen könnte, das teure Thema in
absehbarer Zeit abschließen zu können. Während der Markt die
Anhörung negativ sieht, war der Tenor unter Experten bislang neutral
bis positiv.
Die Titel der Deutschen Börse legten nach
Quartalszahlen und bestätigten Jahreszielen um 0,6 Prozent zu. Der
Börsenbetreiber verdiente im ersten Jahresviertel dank guter
Geschäfte rund um Finanzmarkt-Produkte deutlich mehr. Finanzchef
Jens Schulte sieht den Konzern damit "voll auf Kurs", die
Jahresziele für 2026 zu erreichen. Die höhere Ergebnisdynamik dürfte
sich fortsetzen, schrieb Analyst Roland Pfänder von der
Investmentbank Oddo BHF. Die Resultate hätten die Erwartungen
übertroffen.
Die Aktien von Init Innovation sprangen nach einem
Großauftrag um gut 12 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als
sechs Monaten. Wie der IT-Dienstleister für den öffentlichen
Personenverkehr mitteilte, erhielt er von der zentralen
Verkehrsbehörde des australischen Bundesstaates New South Wales den
Auftrag für die Modernisierung der Fahrkartensysteme des Sydney
Opal-Netzwerks. Die Behörde schätze das Auftragsvolumen auf
umgerechnet rund 377 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn
Jahren, hieß es weiter.
Die Papiere von Henkel fielen - rein optisch - um
1,40 Euro auf 62,64 Euro. Sie werden am Dienstag mit einem
Dividendenabschlag von 2,07 Euro je Aktie gehandelt./edh/stk