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ROUNDUP: Lufthansa will Gewinn trotz Kerosin-Schock steigern - Aktie legt zu

Die Lufthansa will dem Iran-Krieg und den sehr stark gestiegenen Kerosinpreisen in diesem Jahr trotzen. Vorstandschef Carsten Spohr setzt auf höhere Ticketpreise und eine stärkere Nachfrage auf Flügen nach Asien und Afrika, bremst aber beim Ausbau des gesamten Flugangebots. Dadurch soll der Gewinn im Tagesgeschäft 2026 den Vorjahreswert von knapp zwei Milliarden Euro wie geplant deutlich übertreffen. Das Ergebnis werde aber "vermutlich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht", sagte Finanzchef Till Streichert.

Spohr ließ an der schwierigen Lage der Branche keinen Zweifel: "Die anhaltende Krise im Mittleren Osten, verbunden mit steigenden Treibstoffkosten und operativen Einschränkungen, stellt die Welt insgesamt, den globalen Luftverkehr und auch unser Unternehmen vor enorme Herausforderungen." Allerdings sei der Konzern resilient aufgestellt, um diese Auswirkungen abzufedern.

Dies gelte für eine überdurchschnittliche Absicherung gegen schwankende Treibstoffpreise ebenso wie die unterschiedlichen Konzern-Airlines mit ihren eigenen Drehkreuzen. Dadurch könne die Lufthansa ihr Streckenangebot schnell an eine veränderte Nachfrage anpassen. "Wir mussten nur vier Destinationen von 300 aus dem Netz nehmen", sagte Spohr in einer Online-Konferenz mit Journalisten.

Trotzdem dürfte die Kerosinrechnung des Konzerns in diesem Jahr gegenüber der ursprünglichen Planung um 1,7 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro steigen. Höhere Einnahmen und verschärfte Einsparungen sollen die Zusatzbelastung abfedern. Die Situation zwinge die Lufthansa, "konsequent alle Stellhebel zu prüfen, mit denen wir Kosten senken, Effizienzen heben und Risiken reduzieren können, um auch weiterhin bestmöglich handlungsfähig zu sein", sagte Finanzchef Streichert.

An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an: Die Lufthansa-Aktie legte am Vormittag um rund fünf Prozent auf 8,13 Euro zu und gehörte damit zu den stärkeren Titeln im MDax , dem Index der mittelgroßen Werte. Allerdings hatte das Papier seit Kriegsbeginn am Persischen Golf deutlich verloren, sodass seit dem Jahreswechsel nun ein Kursverlust von rund sechs Prozent zu Buche steht.

Analysten zeigten sich von den Zahlen des ersten Quartals und der bestätigten Gewinnprognose positiv überrascht. Die Lufthansa habe im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen, aber weniger deutlich als ihre Konkurrentin Air France-KLM , schrieb Andrew Lobbenberg von der britischen Investmentbank Barclays. Ob die Lufthansa es schaffe, die höheren Treibstoffkosten im Rest des Jahres mit höheren Erlösen aufzufangen, wird aus seiner Sicht nun am Markt diskutiert.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) 1,96 Milliarden Euro verdient. Für 2026 hat sich der Vorstand eine deutliche Steigerung zum Ziel gesetzt, was bei der Lufthansa ein Plus von mehr als zehn Prozent bedeutet. Finanzchef Streichert hält das weiterhin für realistisch, "sofern es nicht zu Lieferengpässen beim Treibstoff oder zu weiteren Streiks kommt". Analysten hatten zuletzt hingegen mit einem Rückgang auf knapp 1,9 Milliarden Euro gerechnet.

Die Bekräftigung des Gewinnziels ist daher eine positive Überraschung. Um dies zu erreichen, will Spohr das Flugangebot im Passagiergeschäft 2026 statt um vier Prozent nur um höchstens zwei Prozent ausweiten. Nachdem der Flugverkehr über die Drehkreuze am Persischen Golf wegen des Iran-Kriegs eingebrochen war, profitierten die Airlines des Lufthansa-Konzerns von den Problemen der Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad und legten zusätzliche Flüge nach Fernost und nach Afrika auf.

Im ersten Quartal schlug die Streichung von Verbindungen in den Nahen Osten zwar auch bei der Lufthansa negativ zu Buche. Insgesamt lief es für den Konzern in der insgesamt typischerweise schwachen Reisezeit jedoch überraschend gut.

So stieg der Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Der saisontypische bereinigte operative Verlust ging trotz der Belastung durch einen Streik um 15 Prozent auf 612 Millionen Euro zurück und fiel damit besser aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Unter dem Strich schrumpfte der Fehlbetrag sogar um ein Viertel auf 665 Millionen Euro.

Dabei konnten die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Discover ihren bereinigten operativen Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 605 Millionen Euro verringern. Bei den Punkt-zu-Punkt-Airlines wuchs das Minus jedoch um sieben Prozent auf 215 Millionen Euro.

Die Frachtflugtochter Lufthansa Cargo steigerte ihr Ergebnis um 35 Prozent auf 83 Millionen Euro, und die Wartungssparte Lufthansa Technik verbuchte einen leichten Rückgang auf 158 Millionen Euro. Teuer schlugen die Streiks der Lufthansa-Piloten im Februar und März zu Buche. Im April legten Cockpit-Besatzungen und Flugbegleiter sogar an insgesamt sechs Tagen die Arbeit nieder, was sich erst im zweiten Quartal finanziell auswirkt./stw/men/mis

 ISIN  DE0008232125

AXC0196 2026-05-06/11:16

Relevante Links: Deutsche Lufthansa AG, Air France-KLM S.A.

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