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ROUNDUP: Umbaukosten drücken Evotec zum Jahresstart operativ ins Minus

Der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec ist zum Jahresauftakt deutlich stärker unter Druck geraten als von Analysten erwartet. Hohe Umbaukosten, weggefallene Lizenzerlöse sowie Währungseffekte belasteten Umsatz und Ergebnis spürbar. Im Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX sprach Unternehmenslenker Christian Wojczewski am Mittwoch von einem "wenig überraschenden" Jahresauftakt. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass es bei Evotec schon bald wieder aufwärts geht. Die Aktie stand am Nachmittag im positiven Gesamtmarkt mit 1,8 Prozent im Minus.

Der Umsatz sank im ersten Quartal um mehr als ein Fünftel auf knapp 157 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) fiel von 3,1 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 21,9 Millionen Euro, wie der Konzern mitteilte. Unter dem Strich stand ein Minus von knapp 122 Millionen Euro, fast das Vierfache des Vorjahresverlusts.

Wojczewski verwies auf mehrere belastenden Effekte. So habe im Vorjahr unter anderem ein größeres Geschäft mit dem Generikahersteller Sandoz einmalige Lizenzeinnahmen von rund 25 Millionen US-Dollar beigesteuert. Diese seien naturgemäß nicht wiederkehrend. Zusätzlich hätten Währungseffekte insbesondere durch den Dollar und das britische Pfund das Ergebnis belastet.

Überschattet wurde die Entwicklung zudem durch ein weiterhin schwaches Marktumfeld vor allem in der Wirkstoffentwicklung und präklinischen Forschung. Hier hellt sich die Lage laut dem Manager aber inzwischen etwas auf: "Die Stornierungsrate bei den Aufträgen ist in den letzten sechs Monaten auf den niedrigsten Stand der vergangenen zwei Jahre gefallen." Auch bei den Auftragseingängen sieht er Hinweise auf eine mögliche Trendwende. "Wir haben im ersten Quartal zweistelliges Wachstum bei den neuen Aufträgen gesehen", sagte er. Zudem hätten sowohl das vierte Quartal 2025 als auch das erste Quartal 2026 im Vergleich zu den vorherigen Quartalen eine deutliche Verbesserung gezeigt. "Das alles zeigt klar in die richtige Richtung."

Wojczewski war im Juli 2024 zum Konzern gekommen, nachdem dieser nach vielen Jahren erheblichen Wachstums nach der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten geraten war. Der Manager hatte fortan eine Neuausrichtung eingeläutet. Evotec will sich auf hochwertige Dienstleistungen und Therapiegebiete konzentrieren, das Projekt-Portfolio reduzieren und stärker auf Automation und Künstliche Intelligenz (KI) setzen.

Erst unlängst setzte der Konzern weitere Sparmaßnahmen auf. Bis Ende 2027 soll die Kostenbasis nochmals um 75 Millionen Euro sinken. Nach einer ersten Schrumpfkur in der jüngeren Vergangenheit soll die Zahl der Standorte auf dann zehn sinken. Geschlossen werden dazu die vier Standorte München, Abingdon in Großbritannien, Toulouse in Frankreich sowie Framingham in den USA. Ziel sei eine stärkere Bündelung der wichtigsten Kernkompetenzen in sogenannten Exzellenzzentren "Wir müssen als Unternehmen agiler werden und Komplexität herausnehmen", sagte Wojczewski dazu. Die Auswahl der Standorte sei das Ergebnis eines sehr detaillierten Prozesses gewesen, sagte er weiter. Entscheidend waren demnach Auslastung, Expertise und strategische Bedeutung.

Insgesamt sollen bis zu 800 Stellen wegfallen, die Umsetzung verlaufe je nach Land unterschiedlich schnell. Die schon seit längerem laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien aber "auf einem guten Weg".

Bei der therapeutischen Ausrichtung soll es hingegen keine weiteren Einschnitte geben. Bereits im Vorjahr hatte Evotec sein Portfolio geschärft. "Wir haben gesagt, wir fokussieren uns auf vier Therapiefelder: Onkologie, neurodegenerative Erkrankungen, Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen." Dabei wolle Evotec auch in der Zukunft keine einseitige Neuausrichtung. Geplant seien weder eigene Medikamente, noch wolle der Konzern ein reiner Dienstleister sein. Der Fokus liege neben dem Dienstleistungsgeschäft weiter auf Partnerschaften mit Pharma- und Biotechkunden, beschleunigt durch Evotecs eigene Technologie-Plattformen.

Trotz der aktuellen Belastungen hält Evotec an der Prognose fest. Für 2026, das das Management als "Übergangsjahr" sieht, peilt es weiterhin einen Umsatz von 700 bis 780 Millionen Euro an. Im Vorjahr standen 788 Millionen Euro zu Buche. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll zwischen 0 und 40 Millionen Euro erreichen, nach rund 41 Millionen Euro im Vorjahr. Unterstützung soll bereits teilweise aus den Kostensenkungen und der erwarteten Markterholung kommen. Dabei rechnet Wojczewski mit Auftrieb im zweiten Halbjahr.

Bis 2030 hat der Konzern bereits einen Umsatzanstieg auf mehr als eine Milliarde Euro prophezeit, die bereinigte operative Marge soll bis dahin auf mehr als 20 Prozent steigen. Ein weiterer Hebel auf dem Weg dorthin seien steigende Lizenzzuflüsse und Meilensteinzahlungen, insbesondere aus wichtigen Kooperationen wie etwa mit Bristol-Myers Squibb , begründete der Evotec-Chef seine Zuversicht, die Ziele erreichen zu können./tav/niw/he

 ISIN  DE0005664809

AXC0300 2026-05-06/16:23

Relevante Links: Evotec SE, Sandoz Group N, Bristol-Myers Squibb Co.

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