ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Gewinne dank Ölpreisrückgang und KI-Fantasie
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx
hat am Dienstag seine Rekordrally fortgesetzt. Waren die Kursgewinne
bis zum Mittag noch eher verhalten, wurden sie rund um den Auftakt
an den New Yorker Börsen ausgebaut. Die Weltbörsen profitierten vom
weiter nachgebenden Ölpreis wegen anhaltender Hoffnung, dass es im
Iran-Krieg eine diplomatische Lösung geben könnte.
Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent schürten die Hoffnung
auf eine Einigung und eine Öffnung der Straße von Hormus für den
Schiffsverkehr. "Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und
ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine
Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen", sagte er dem
US-Senders CNBC.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss 0,94
Prozent höher bei 6.486,70 Punkten. Seine zuvor erreichte Bestmarke
liegt wenige Zähler höher. Außerhalb der Eurozone reichten die
Kursgewinne wichtiger Indizes aber nicht für Höchststände. Der
schweizerische Leitindex SMI stieg um 0,64 Prozent
auf 14.463,23 Punkte. Der britische FTSE 100 legte um
0,20 Prozent auf 10.879,38 Zähler zu.
Als Treiber hinzu kam auch eine wieder bessere Stimmung, die von den
USA bei Aktien mit KI-Fantasie ausging. In New York dämpften
gefeierte Resultate von Firmen wie Palantir < US69608A1088> und
Caterpillar die Sorgen der Anleger, ob sich hohe
Investitionen in KI-Modelle und Rechenzentren lohnen werden. Der
Tech-Sektor war daraufhin auch in Europa besonders begehrt. Aktien
des Chipindustrie-Ausrüsters ASML erklommen im
EuroStoxx mit 3,7 Prozent Plus die Spitze.
In dem Gedanken einer Konjunkturbelebung wurden europäische
Rohstoffwerte aber zum Spitzenreiter in der
Branchentabelle. Günstigere Energie würde nach Einschätzung des
Etoro-Marktanalysten Maximilian Wienke die Gewinnperspektiven vieler
Konzerne verbessern und die Wirtschaft entlasten.
Umgekehrt litt die Ölbranche unter den sinkenden Ölpreisen: Aktien
von Eni und Totalenergies waren mit
Abgaben von bis zu 2,9 Prozent unter den größten
EuroStoxx-Verlierern. In London profitierte BP nur
zeitweise von soliden Zahlen, aus dem Handel gingen die Titel aber
knapp fünf Prozent tiefer. Auch Shell gehörten in
London mit 2,5 Prozent zu den Verlierern.
Etwas verhaltener war die Entwicklung im Bankensektor. Die britische
Großbank HSBC nimmt sich nach einem überraschend
guten Quartal höhere Einsparungen vor. Zudem nimmt die Bank den
Rückkauf eigener Aktien wieder auf. Anleger reagierten
zurückhaltend. Die Aktie verlor nach der starken Entwicklung der
Vormonate 0,8 Prozent.
Auf dem Einzelhandelssektor lastete der Kursrutsch von Zalando
. Der Online-Händler hatte im zweiten Quartal weniger
Umsatz erzielt und verdient als erwartet. Dies zog die Titel des
britischen Branchenunternehmens Ocado mit 5,5 Prozent
in die Tiefe.
Dagegen überzeugte in London der Baustoffproduzent Travis Perkins
mit seinem Zwischenbericht, der die Papiere mit 18
Prozent ins Plus hievte. Dagegen stand bei Smith & Nephew
am Ende ein Abschlag größer sechs Prozent auf der
Londoner Kurstafel. Der Medizinprodukte-Hersteller senkte seine
Prognose für das Umsatzwachstum im Gesamtjahr./tih/he