ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Ins Minus gedreht - Ausverkauf bei US-Techwerten
Europas wichtigste Aktienmärkte
haben am Donnerstag unter einem drastischen Stimmungsumschwung an
den US-Börsen gelitten. Die wichtigsten Indizes diesseits des
Atlantiks büßten zwischenzeitliche Gewinne ein und drehten ins
Minus.
Der US-Aktienmarkt wurde von einem Ausverkauf der Technologiewerte
nach unten gezogen, die unter der Sorge vor einer schärferen
Regulierung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) litten.
Hintergrund ist der klare Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen
in den USA am Dienstag. Die Demokraten gelten KI gegenüber als
skeptischer als die Republikaner, die sich eher für Deregulierung
starkmachen.
Nachdem die Wall Street am Mittwoch noch positiv auf die
Wahlergebnisse reagiert hatte, überwog nun die Skepsis. Der
Technologie-Index Nasdaq 100 war zwischenzeitlich um
6,4 Prozent eingebrochen. Er war allerdings auch seit Anfang 2023
rasant gestiegen und hatte damit sehr stark von der Hoffnung auf
gute Geschäfte mit Künstlicher Intelligenz profitiert. Erst im
Oktober hatte das Börsenbarometer ein Rekordhoch erreicht.
Damit fiel der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 am
Ende um 0,55 Prozent auf 6.231,54 Punkte. Außerhalb des Euroraums
gab der Schweizer Leitindex SMI um 0,37 Prozent auf
14.967,73 Punkte nach. Der britische FTSE 100 verlor
0,43 Prozent auf 10.782,66 Punkte.
Aus Branchensicht fanden sich europaweit Technologiewerte
mit einem Minus von 3,2 am Ende des Sektortableaus
ein. "Anleger befürchten, dass nach dem Wahlsieg der Demokraten
strengere Auflagen den Ausbau von Rechenzentren bremsen und Projekte
verzögern könnten", urteilte Salah-Eddine Bouhmidi vom Handelshaus
IG. Diese politischen Risiken träfen auf die ohnehin schwelende
Unsicherheit, wann sich die milliardenschweren Investitionen in
Künstliche Intelligenz ausreichend auszahlen werden. Verzögerungen
beim Ausbau könnten die Geduld der Investoren zusätzlich
strapazieren.
Damit kam es in den USA und auch europaweit zu einem Ausverkauf bei
Halbleiterwerten. So knickten die Anteilscheine von
STMicroelectronics um 9,3 Prozent ein. Die Papiere
des Chipzulieferers ASML sackten um 6,6 Prozent ab.
Unter den weiteren Einzelwerten setzte Air France-KLM
in dem trüben Umfeld ein positives Ausrufezeichen. Die Aktien
sprangen nach der Vorlage von Quartalszahlen um gut zwölf Prozent
nach oben. Die Analysten der US-Bank JPMorgan sprachen von einem
deutlich besser als erwarteten Zahlenwerk.
Nicht ganz so spektakulär war die Reaktion der Papiere von Swiss Re
auf die Geschäftszahlen. Vergleichsweise geringe
Großschäden und Zuwächse im Leben-Geschäft hatten dem
Rückversicherer in den ersten neun Monaten des Jahres einen
Gewinnanstieg beschert. Der Wert gewann am Ende zwei Prozent.
Zwischenzeitlich hatten die Papiere den höchsten Stand seit 2002
erreicht.
Unter den ansonsten unauffälligen Herstellern von Nahrungsmitteln
und Getränken verzeichneten Diageo mit einem Plus von
3,2 Prozent stärkere Aufschläge. Der zuletzt schwächelnde Schnaps-
und Guinness-Hersteller hatte im ersten Quartal seines
Geschäftsjahres überraschend mehr erlöst.
In Kopenhagen büßten die Aktien von Moller-Maersk
sechs Prozent ein. Experten der AL Sydbank verwiesen auf das
Ergebnis zum dritten Quartal, das die Erwartungen verfehlt habe.
Zudem bewegt sich der neue Ausblick unter den durchschnittlichen
Schätzungen von Analysten./la/he