ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax fällt wegen KI-Panik vom Rekord zurück
Der weltweite Ausverkauf im KI- und
Halbleitersektor hat vor dem Wochenende auch die Anleger am
deutschen Aktienmarkt in die Flucht geschlagen. Der Dax
büßte am Freitag ausgehend von seinem erst am Vortag
mit 26.692 Punkten erreichten Rekord zeitweise über 1.000 Zähler
ein. Letztlich sackte er um 1,92 Prozent auf 25.820,36 Punkte ab.
Damit gab der Dax sein zwischenzeitliches Wochenplus komplett ab.
Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am
Freitag um 0,81 Prozent auf 30.642,23 Punkte bergab.
Die Euphorie nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten
verpuffte an den Börsen schnell. "Auf der einen Seite steht die
Erleichterung über das eindeutige Ergebnis bei den
US-Zwischenwahlen, auf der anderen Seite die Sorge, dass eine
strengere KI-Regulierung für neue Wachstumsbremsen sorgt", fasste
Chefmarktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader die Lage nach dem
Wahlerfolg der Demokraten zusammen. Nun dominiere die Furcht, dass
Washington in Zukunft den KI-Motor abwürgen und die regulatorischen
Daumenschrauben stärker anziehen könnte.
In New York hatte der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100
daraufhin am Donnerstag den stärksten Tagesverlust
seit dem Corona-Crash im März 2020 verzeichnet. Für den
Halbleiterindex SOX ging es sogar um mehr als 12 Prozent abwärts.
Auch für den marktbreiten S&P 500 und den
US-Leitindex Dow Jones Industrial war es ein
schwarzer Tag. Am Freitag hellte sich das Bild aber etwas auf: Der
Dow bewegte sich zum europäischen Handelsschluss kaum, der Nasdaq
100 erholte sich um zwei Prozent.
Ein überraschend robuster US-Jobbericht geriet vor dem Wochenende
etwas in den Hintergrund. "Der Arbeitsmarkt ist stark, gleichzeitig
wird die Inflationsrate im Oktober auf vier Prozent ansteigen",
kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank mit Blick
auf die am kommenden Dienstag anstehenden Inflationsdaten aus den
Vereinigten Staaten. Die US-Notenbank Fed werde den Leitzins daher
im Dezember anheben müssen. Höhere Zinsen könnten insbesondere
Technologie-Aktien zusätzlich belasten.
Darüber hinaus warten die Anleger gespannt auf Aussagen von
US-Präsident Donald Trump, der bald über eine mögliche
Wiederaufnahme des Iran-Kriegs entscheiden will. Mit der Hoffnung
auf ein schnelleres Ende des Krieges waren die Ölpreise zeitweise
deutlich zurückgegangen und gaben am Freitag erneut nach.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel vor dem
Wochenende um 0,98 Prozent auf 6.170,49 Punkte. Außerhalb des
Euroraums gaben der Schweizer SMI und der britische
FTSE 100 ähnlich stark nach.
Derweil ging die Berichtssaison hierzulande weiter. Quartalszahlen
gab es am Freitag aus dem Dax von Daimler Truck . Die
am Vortag starken Aktien des Lastwagenherstellers fielen um 3,4
Prozent. Der Auftragseingang im dritten Quartal sei wie erwartet
schwach gewesen, hieß es von der Investmentbank Oddo BHF. Insgesamt
sei das Quartal allerdings solide gelaufen.
Die Aktien von Hochtief schnellten um 5,5 Prozent
höher. Der spanische Baukonzern ACS erwägt eine
Komplettübernahme seiner deutschen Tochter oder eine Fusion beider
Unternehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg kurz vor
Handelsschluss unter Berufung auf Kreise. ACS hält derzeit gut 75
Prozent der Hochtief-Aktien.
Munich Re und Hannover Rück verbuchten
Kursverluste von 4,3 beziehungsweise 4,4 Prozent. JPMorgan-Analyst
Kamran Hossain hatte die Aktien der beiden Rückversicherer abgestuft
und bremste deren jüngste Rally damit aus. Er erwartet im kommenden
Jahr weiteren Preisdruck.
Rüstungswerte gaben weiter nach. Für die Papiere von Rheinmetall
hagelte es Kurszielsenkungen nach der jüngsten
Gewinnwarnung. Die Aktie rutschte vorübergehend unter die
800-Euro-Marke und verlor letztlich 3,4 Prozent auf 812,70 Euro. Vor
13 Monaten hatten Rheinmetall-Aktien noch mehr als 2.000 Euro
gekostet.
Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus wird wegen
gesenkter Erwartungen an das Geschäft in China und Nordamerika
vorsichtiger. Für die Aktien ging es im Kleinwerte-Index SDax
um 12 Prozent bergab. Zuversichtlicher blickt dagegen
der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost nach einem guten
dritten Quartal auf das laufende Jahr. Die Titel gewannen 4,5
Prozent.
Für Freenet ging es um 0,4 Prozent nach oben. Der
Mobilfunkanbieter lässt seine Aktionäre an dem durch den Verkauf von
Ceconomy-Aktien ausgelösten Geldsegen teilhaben und
kauft eigene Aktien für bis zu 75 Millionen Euro zurück. Die so
erworbenen Papiere sollen eingezogen werden, was den Gewinn je
Anteilschein rechnerisch erhöht./niw/he