Aktien New York: Tech-Sektor erholt sich nach Ausverkauf
Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen am Vortag
hat sich der besonders gebeutelte Tech-Sektor am Freitag wieder
etwas berappelt. Dagegen kam der von traditionellen Branchen
geprägte Leitindex Dow Jones Industrial nur wenig von
der Stelle. Ein überraschend guter Arbeitsmarktbericht schürte die
Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember,
gab den Aktienkursen aber kaum Impulse. Auch das von der Universität
Michigan ermittelte, ebenfalls stark ausgefallene
Verbrauchervertrauen ließ die Anleger kalt.
Zuletzt machte der Nasdaq 100 mit einem Plus von 1,57
Prozent auf 27.047 Punkte wieder Boden gut, vor allem dank der
deutlich erholten Halbleiterwerte. Für die Anleger dürfte das indes
nur ein schwacher Trost sein: Am Donnerstag hatte der
technologielastige Auswahlindex wegen eines mehr als
sechsprozentigen Einbruchs den tiefsten Stand seit April erreicht.
Seit Beginn der nur zwischenzeitlich stockenden Verkaufswelle gegen
Ende Oktober steht ein Minus von 9,3 Prozent zu Buche. Für die Woche
zeichnet sich ein Kursabschlag von 4,7 Prozent ab.
Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 0,68
Prozent auf 7.423 Punkte, womit er sich ebenfalls von seinen
deutlichen Vortagsverlusten erholte. Der Dow, der sich zuletzt
besser als die beiden anderen Indizes gehalten hatte, verlor 0,05
Prozent auf 51.498 Punkte. Auf Wochensicht steuert er vor allem
wegen des Kursrutsches vom Donnerstag auf ein Minus von 0,5 Prozent
zu.
Experten wollten die Börsenverluste nach den US-Zwischenwahlen nicht
überbewerten. "Wir gehen davon aus, dass der KI-Investitionszyklus
weiterhin intakt ist, das Gewinnwachstum der Unternehmen stabil
bleibt und ein positives globales Konjunkturumfeld die Aktienmärkte
stützen dürfte", sagte Mark Haefele, Chefanlagestratege beim
Vermögensverwalter UBS Global Wealth Management. Auch wenn es nach
den Wahlen zu einer Phase der Marktverunsicherung kommen könnte,
glaube er nicht, dass die Fundamentaldaten einen anhaltenden
Abschwung an den Börsen rechtfertigen.
Seit dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den Kongresswahlen am
Dienstag sind die Finanzmärkte nervös. Denn die Demokraten stehen
Künstlicher Intelligenz (KI) skeptischer gegenüber als die
Republikaner, die sich traditionell für den Abbau staatlicher
Vorgaben starkmachen.
Tech-Konzerne müssen sich auf mehr Gegenwind bei ihren riesigen
Rechenzentren für KI einstellen. Diese werden für Lärm,
Luftverschmutzung und Wassermangel verantwortlich gemacht. Zudem
wird befürchtet, dass die Energiepreise wegen des sehr hohen
Strombedarfs auch in der Breite steigen könnten.
Die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Höhe von
KI-Investitionen strahlt auch auf die Gesamtwirtschaft aus. Aktuell
wird noch davon ausgegangen, dass diese das Wirtschaftswachstum in
den Vereinigten Staaten erheblich ankurbeln. Sollte sich jedoch der
Ausbau der dafür nötigen Rechenzentren deutlich verlangsamen, könnte
dies die Konjunktur belasten.
Am Freitag legten viele der zuletzt abgestraften Aktien aus der
Halbleiterbranche wieder zu: Für AMD , Lam Research
und Intel ging es um 8,9 bis 9,7
Prozent hoch, für die Titel des Branchengiganten Nvidia
immerhin um 3,2 Prozent. Auch die Anteile des
Raumfahrt- und KI-Konzerns SpaceX sowie des
Elektroautobauers Tesla berappelten sich mit
Kursgewinnen von 7,3 beziehungsweise 4,6 Prozent. Sie waren nach den
demokratischen Wahlerfolgen im traditionell republikanischen
Bundesstaat Texas, wo die beiden Unternehmen von Elon Musk
beheimatet sind, kräftig unter Druck geraten.
Zur Tech-Erholung trugen auch gute Unternehmensnachrichten bei. So
hatte der Rechenzentrumsbetreiber und Bitcoin-Miner Iren
ein laut Experten ordentliches Umsatzwachstum im
Bereich Cloud-Lösungen für Künstliche Intelligenz verzeichnet. Zudem
habe das bereinigte operative Ergebnis positiv überrascht, schrieb
Experte John Todaro vom Analysehaus Needham. Damit zogen die
Anteilscheine von Iren um gut 19 Prozent an.
Die Papiere von Cloudflare stiegen um 12,4 Prozent.
Das Softwareunternehmen hatte seine Gesamtjahresprognose für alle
wichtigen Kennzahlen angehoben.
Moderna überraschte damit, erstmals seit 2024 einen
Quartalsgewinn erzielt zu haben - der Marktkonsens war von einem
Verlust ausgegangen. Zudem hob der Impfstoffhersteller das
Jahresziel für das Umsatzwachstum kräftig an. Mit einem Kursplus von
7,6 Prozent halten sich die Aktien weiterhin auf dem höchsten Niveau
seit Ende 2021, womit sich ihr Wert im bisherigen Jahresverlauf fast
verachtfacht hat./gl/he