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Lenzing weiter unter Druck - Verlust 2025 leicht eingedämmt / Umsatz gesunken, Verlust nach Steuern von 135,2 Mio. Euro - Werk in Indonesien im Verkaufsprozess - Massiver Stellenabbau - Neuer CEO wird noch gesucht

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Der Faserhersteller Lenzing befindet sich inmitten einer turbulenten Umstrukturierung samt massivem Personalabbau und Suche nach einem neuen Konzernchef. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stand der Konzern angesichts des US-Zollkonflikts, einer verhaltenen Nachfrage und sinkender Marktpreise weiter unter Druck. Der Verlust nach Steuern war mit 135,2 Mio. Euro das vierte Jahr in Folge im roten Bereich, aber etwas geringer als 2024 (138,3 Mio. Euro), wie das Unternehmen bekanntgab.

"2025 war geprägt von einem herausfordernden Umfeld", berichtete der neue Finanzvorstand Mathias Breuer am Donnerstag in einer Online-Bilanzpressekonferenz. "Insgesamt haben die Märkte leider keinen nennenswerten Rückenwind geliefert, insbesondere nach den 'Zoll-Announcements' von Trump im April." Das alles habe sich auch auf die Performance ausgewirkt. Die Umsätze sanken "bedingt durch Mengenanpassungen im Jahresverlauf" um 2,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro - "bei einer deutlich schwächeren zweiten Jahreshälfte", wie Breuer einräumte.

Abschwächung im vierten Quartal

Im vierten Quartal 2025 seien die Verkaufserlöse gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 um 11 Prozent eingebrochen. Auch im operativen Geschäft ging es gegen Jahresende abwärts. "Das EBITDA lag bei nicht zufriedenstellenden 73 Mio. Euro."

Im gesamten Jahresverlauf hatte sich das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen - ohne Restrukturierungskosten - gegenüber 2024 um 7,6 Prozent auf 425,6 Mio. Euro verbessert. Unbereinigt verringerte sich das EBITDA um 13 Mio. auf 413 Mio. Euro.

"2025 lag unser klarer Fokus auf der Stärkung der Liquidität", betonte der Finanzvorstand. Die Nettoverschuldung sei um 12 Prozent auf 1,35 Mrd. Euro verringert worden. Die Liquiditätsreserve von Lenzing bezifferte er mit 910 Mio. Euro.

Hohe Zölle, schwache Nachfrage, niedrige Preise

Die Umsätze litten unter den internationalen Zollmaßnahmen, verhaltener Nachfrage auf den Textilmärkten und rückläufigen Marktpreisen für Fasern und Zellstoff sowie einer ungünstigeren Währungsentwicklung, erklärte der CFO, der seit 1. Jänner in dieser Funktion tätig ist.

Schon davor war Breuer bei der Lenzing AG als "Senior Vice President" für das sogenannte "Performance-Programm" verantwortlich, das seit 2023 läuft und millionenschwere Sparmaßnahmen im Konzern vorsieht. Im ersten Schritt habe das Programm bereits Einsparungen im Ausmaß von 200 Mio. Euro geliefert - weitere 45 Millionen "werden wir bis 2027 drauflegen", so der Vorstand. 2023 hatte der Konzern einen Nettoverlust von fast 600 Mio. Euro verzeichnet, auch schon im Jahr davor hatte es Verluste gegeben.

Weiterer Personalabbau möglich

Die Umstrukturierung des Konzerns geht mit hohen Jobverlusten einher. Im September 2025 hatte das Management bekanntgegeben, bis Ende 2027 bis zu 600 Stellen zu streichen, 300 davon am Standort Lenzing (Oberösterreich). Möglicherweise reicht das aber nicht aus: "Wir werden als Dreiervorstand weiterhin die Struktur und Kostenbasis des Unternehmens überprüfen und können nicht ausschließen, dass wir das Ende des Personalabbaus erreicht haben", sagte Breuer auf Anfrage.

Teil der neuen Konzernstrategie sei - neben einer massiven Kostensenkung und einer Stärkung der Cashflow-Generierung - auch ein Fokus auf "hochwertige Fließstofflösungen" und damit der "Ausbau der Premiumfließfaser in Lenzing". "Mit der Zeit werden wir uns auf Bereiche mit höheren Margen konzentrieren", so der CFO. Generische Fasern sollen in den Hintergrund treten. Der Standort in Indonesien sei "klar im generischen Segment".

Werk in Indonesien vor Verkauf

Entsprechend befindet sich der Viskoseproduktionsstandort in Indonesien seit einigen Monaten "in Evaluierung" - Lenzing prüfe "strategische Optionen, einschließlich eines möglichen Verkaufs". Das Werk habe sich "nicht erwartungsgemäß entwickelt", erklärte Breuer.

Im September des vergangenen Jahres sei der "M&A-Prozess gestartet" worden. "Wir sind aktuell in Gesprächen und haben nicht-verbindliche Angebot erhalten", berichtete der Finanzvorstand. Das Werk in Indonesien bestehe seit etwa 50 Jahren.

Umfeld weiterhin schwierig

Die Aussichten sind weiterhin alles andere als rosig. "Die geopolitische Unsicherheit bleibt erhöht, auch wegen der Eskalation im Nahen Osten", umriss Breuer die Lage. Das bedeute auch höhere Spritpreise und Frachtraten. Für das zweite Quartal 2026 rechnet Lenzing zudem mit "Lieferengpässen im Bereich der wesentlichen Chemikalien".

Weiters werde erwartet, dass zusätzliche Kapazitäten, vor allem in China, auf Preise und Margen drücken. "Überkapazitäten erhöhen den Preisdruck", so der Finanzvorstand. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage weiterhin durch eine verhaltene Verbraucherstimmung belastet sowie die Energie- und Rohstoffkosten hoch bleiben.

Gute Nachfrage nach Zellstoff, aber Preisdruck

Die Nachfrage nach Zellstoff soll aber "anhaltend stabil" sein und 2026 "ein solides Jahr" werden. Doch: "Die Marktpreise für Fasern und Zellstoff lagen klar unter den Werten der Jahre davor", sagte Breuer.

2025 wurde die Produktion von Zellstoff um 4 Prozent auf 1.218 Kilotonnen erhöht, das Absatzvolumen kletterte um 27 Prozent. "Die durchschnittlichen Verkaufspreise in Euro gingen aber leider um 11,6 Prozent zurück", so der Finanzchef. Parallel dazu verringerten sich die Absatzmengen bei den Fasern um 6 Prozent auf 904 Kilotonnen. In Euro lagen die Verkaufspreise hier "leicht unter den Vorjahren".

Gewinne in Ferne - Chefsuche läuft

Wann der Konzern wieder Gewinne erzielen kann, bleibt vorerst unklar. "Da wir keine Guidance für 2026 abgeben können, können wir auch keine für das Erreichen der Gewinne abgeben", hielt Breuer fest. Aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten und indirekter Auswirkungen auf die Lieferketten und die Energiemärkte sind Prognosen den Konzernangaben zufolge derzeit insgesamt schwierig. "Wir befinden uns nachhaltig in einem Umstrukturierungsprozess und fokussieren uns auf die weitere Entwicklung der operativen Performance", so der Finanzchef.

Nach einem neuen Konzernchef wird derweil noch gesucht. Der frühere CEO Rohit Aggarwal, der ab 1. September 2024 an der Spitze des Unternehmens stand, legte sein Mandat per Ende Jänner 2026 "aus persönlichen Gründen" nieder. Das war Anfang Dezember bekanntgegeben worden. Derzeit steuert Lenzing ein Dreiervorstand bestehend aus dem CFO Breuer, dem Chief Operating Officer (COO) Georg Kasperkovitz (seit 1. Juni 2025), der auch für die Leitung und Weiterentwicklung des Standorts in Oberösterreich zuständig ist, und Christian Skilich, der seit 2020 im Konzern tätig ist.

kre/bel/sag

 ISIN  AT0000644505
 WEB   http://www.lenzing.com

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