Der Dax ist am Dienstag wieder
klar unter die Marke von 25.000 Punkten gesackt. Der deutsche
Leitindex setzte seinen Schlingerkurs um die runde Marke fort,
nachdem an den Börsen in Asien nach den jüngsten Rekorden eine
Korrektur vor allem bei Technologiewerten eingesetzt hatte. Gegen
Mittag büßte der Dax 1,1 Prozent auf 24.867 Punkte ein. Der MDax
verlor außerdem 1,4 Prozent auf 32.111 Zähler.
Belastend wirkte, dass eine Welle an Gewinnmitnahmen über die Börsen
in Japan und Südkorea schwappte. Diese war so heftig, dass der
Handel in Seoul zeitweise ausgesetzt wurde. Dies belastete auch den
Dax, nachdem er zum Wochenstart mit 25.176 Punkten noch ein Hoch
seit Anfang Juni erreicht und sich weiter seiner Bestmarke vom
Januar genähert hatte.
"Wir sehen einen in höchstem Maße stimmungsgetriebenen Handel.
Gerade in der Nähe von Rekordnotierungen werden Anleger schnell
nervös, wenn sich die Rally dann nicht direkt mit Schwung nach oben
fortsetzt", schrieb der Marktbeobachter Jochen Stanzl von der
Consorsbank. Im Tech-Sektor äußere sich dies bei dem
Rekord-Börsengang SpaceX , dessen Kurs nach einem
Kurseinbruch am Vortag vorbörslich das Niveau zum Börsenstart
erreicht.
Europäische Werte mit viel eingepreister KI-Fantasie folgten am
Morgen der Entwicklung in Asien. Im Energietechnik-Bereich galt dies
für Siemens Energy und den frisch in den Dax
aufgestiegenen Baukonzern Hochtief mit Abgaben, die
jeweils fast fünf Prozent groß waren. Beide waren in den vergangenen
Monaten starke Profiteure der gigantischen Investitionen in
Rechenzentren.
Stark waren die Rückschläge in Asien vor allem im Chipsegment, aus
dem hierzulande Infineon etwa fünf Prozent an Wert
einbüßten. Sie kamen damit von ihrem 26-Jahreshoch zurück. Für die
Titel der Halbleiter-Branchenausrüster Suss Microtec ,
Aixtron und PVA Tepla ging es zwischen
5,5 und 11,5 Prozent bergab.
Die Messlatte im Chipbereich hängt laut Stanzl hoch. Daher richte
sich der Blick bereits auf die am Mittwochabend erwarteten Resultate
von Micron . "Die Zahlen des Chipherstellers dürften
zu einem Stresstest für den gesamten Sektor werden", betonte der
Consorsbank-Experte. Angesichts einer Vervierfachung der
Micron-Aktien in diesem Jahr würden wohl "nur noch allerbeste
Quartalszahlen" akzeptiert.
Abseits der Tech-Werte rückte RWE in den Fokus. Wie
zuletzt schon spekuliert, will der Energiekonzern die Mehrheit am
Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen. Eine dafür
erforderliche Kapitalerhöhung stand zuerst dem eigentlich positiven
Feedback von Analysten gegenüber. Die Aktien konnten ihre frühen
Abschläge jedoch ausgleichen und mit einem Prozent ins Plus drehen.
Bei Vonovia dagegen sorgte eine Wandelanleihe für ein
Minus von 2,5 Prozent. Der Wohnimmobilien-Konzern kündigte die
Maßnahme am Morgen an. Üblicherweise müssen Anleger dabei einen
Verwässerungseffekt befürchten, wenn die Anleihen später in Aktien
gewandelt werden.
Gewinner waren allgemein rar in der Dax-Familie. Robust entwickelten
sich Werte aus defensiven Bereichen wie etwa Telekommunikation oder
Gesundheit. Das Index-Schwergewicht SAP sorgte im Dax
mit einer Erholung um 1,8 Prozent für ein nicht ausreichendes
Gegengewicht. Software-Aktien hatten sich zuletzt konträr zum
Tech-Sektor sehr schwach entwickelt aus Sorge vor einer Bedrohung
durch KI.
Im MDax hoben sich die DWS -Titel mit mehr als fünf
Prozent Plus positiv ab. Der Analyst Arnaud Giblat von der
Investmentbank Exane BNP stufte die Aktien des Fondsanbieters wegen
einer verbesserten Geschäftsdynamik auf "Outperform" hoch. Mit
seinem Kursziel von 74 Euro liegt der Experte deutlich über dem
bisherigen Kursrekord von 65,80 Euro./tih/jha/