Aktien Frankfurt: Dax wieder unter Druck nach Kursrutsch in Asien
Die jüngste Erholung erweist sich am Freitag
am deutschen Aktienmarkt als Strohfeuer. Nach teils deutlichen
Kursverlusten in Asien rutschte der Dax am Nachmittag
um 1,2 Prozent ab unter seine 21-Tage-Linie. Mit 24.693 Punkten
näherte er sich seinem Wochentief vom Mittwoch. Die zeitweise wieder
erreichte Marke von 25.000 Punkten blieb am Vortag für den Leitindex
erneut eine zu hohe Hürde. Auf Wochensicht liegt der Leitindex jetzt
wieder klar in der Verlustzone.
Für den MDax ging es am letzten Handelstag der Woche
um 1,5 Prozent auf 31.509 Zähler bergab, während der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx zuletzt um 0,9 Prozent fiel. In Asien
hatten die Anleger nach den gefeierten Resultaten des US-Konzerns
Micron bei Tech-Werten gleich wieder Gewinne
mitgenommen - vor allem in Tokio und Seoul. In New York bahnt sich
an der Nasdaq-Börse auch ein schwächerer Start an.
Marktbeobachtern zufolge können die Anleger ihre Bedenken über die
Bewertung von KI-Profiteuren nicht ablegen. Der Marktexperte Jürgen
Molnar verwies als Stimmungsbremse auf Berichte über eine mögliche
Verschiebung des OpenAI-Börsengangs und Preissorgen wegen des
KI-Booms. Anleger zeigten sich erschrocken von den Preiserhöhungen,
die Apple am Vortag wegen steigender Kosten für
Speicherbausteine bekannt gegeben hatte.
Im Chipbereich erfasste die erneute Abwärtsbewegung viele deutsche
Aktien, darunter den Halbleiterhersteller Infineon
mit einem Abschlag von 3,6 Prozent. Für die Branchenausrüster
Aixtron , Suss und PVA Tepla
sowie den Waferhersteller Siltronic
ging es zuletzt um bis zu 4,4 Prozent bergab. Die Abwärtsbewegung
erfasste mit Siemens Energy und Hochtief
auch KI-Profiteure aus anderen Branchen.
Etwas deutlicher erwischte es mit 6,7 Prozent Minus die Zalando
-Aktien. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bei dem
Modehändler eine Prüfung des Konzernabschlusses eingeleitet wegen
Anhaltspunkten, dass gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen
wurde. Eine Stellungnahme, dass es sich "um einen rein formellen,
aber materiell unwesentlichen Aspekt in den Anhangsangaben" handele,
sorgte im Verlauf für etwas Entlastung.
Im Rüstungssegment erholte sich Renk vom jüngsten
Kursrutsch, der im Zuge eines verlorenen Rheinmetall
-Großauftrags weite Teile der Branche erfasst hatte.
Die US-Regierung gab am Vorabend den Vertragsabschluss für einen
Auftrag im Wert von 691 Millionen US-Dollar bekannt. Mit einem Plus
von 3,4 Prozent hob sich Renk positiv ab von den sonst schwachen
Rüstungswerten.
Evonik fiel in der Chemiebranche mit einem Anstieg um 0,3 Prozent
leicht positiv auf. Der Spezialchemiekonzern Evonik
hat seine Prognose für 2026 nach einer guten Entwicklung im zweiten
Quartal angehoben - auf ein Niveau über dem Konsens, stellte die
Jefferies-Analystin Helena Xu fest.
Einen Bogen machen die Anleger weiter um Autowerte. VW
wurden zwar zeitweise von einem Medienbericht über
noch weitreichendere Umstrukturierungen gestützt, zuletzt tauchten
aber auch die Titel der Wolfsburger mit 1,3 Prozent ins Minus ab.
Dem "Manager Magazin" zufolge könnten in den kommenden Jahren bis zu
100.000 Stellen wegfallen und vier Werke geschlossen werden.
Die Bayer-Aktien verteidigten ihren Vortagskurssprung
wegen eines wichtigen Erfolgs in den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten
weitgehend. Analyst James Quigley von Goldman Sachs sieht mit der
Entscheidung des Obersten Gerichts in den USA einen großen Schritt,
um eine Dekade der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem
Unkrautvernichter zu beenden./tih/jha/